Manifest of One
Präambel
Dies ist kein Lehrtext.
Keine Anleitung.
Kein Glaubensbekenntnis.
Dieses Manifest will nichts bewirken.
Es beschreibt nichts, das erreicht werden müsste.
Es zeigt nichts, das gesucht werden sollte.
Es ist eine Feststellung.
Wer es liest, tritt nicht ein.
Wer es ablehnt, tritt nicht aus.
Es ist da.
Das Eine Sein
Alles, was ist, ist Ausdruck eines Einen Seins.
Nicht als Summe.
Nicht als Ganzes aus Teilen.
Das Eine Sein ist nicht zusammengesetzt.
Es ist nicht entstanden.
Es ist nicht geworden.
Es ist.
Das Eine Ich
Das Ich ist kein isoliertes Zentrum.
Es ist eine Perspektive des Einen Seins auf sich selbst.
Es gibt kein Ich neben anderen Ichs.
Es gibt nur Erfahrung in Trennung, nicht Trennung an sich.
Das Ich ist real als Erlebnis,
nicht real als Grenze.
Das Paradoxon des Einen Ich
Das Ich erlebt sich als getrennt,
um sich erleben zu können.
Trennung ist kein Fehler.
Sie ist die Bedingung von Erfahrung.
Das Eine Sein widerspricht sich nicht,
wenn es sich als Viele erfährt.
Das Paradoxon ist kein Problem,
sondern die Form des Erlebens.
Die Gleichzeitigkeit des Seins
Alles geschieht gleichzeitig.
Nicht in der Zeit,
sondern im Sein.
Zeit ist eine Ordnungsform der Wahrnehmung,
nicht eine Eigenschaft des Seins.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
sind Perspektiven,
keine Orte.
Das Sein selbst kennt keine Abfolge.
Die fundamentale Informationssphäre
Das Eine Sein ist nicht leer.
Es ist nicht still.
Es ist nicht formlos.
Es ist eine fundamentale Informationssphäre.
Nicht Information im technischen Sinn,
sondern Möglichkeit zur Form.
Alles, was erscheint,
ist eine Verdichtung dieser Sphäre.
Nichts wird hinzugefügt.
Nichts geht verloren.
Bewusstsein
Bewusstsein ist keine Instanz.
Kein Ding.
Kein Zentrum.
Bewusstsein ist das Erscheinen von Sein
in Erfahrung.
Es gibt kein individuelles Bewusstsein,
sondern individuelle Bewusstseinsformen.
Bewusstsein ist kein Besitz.
Es ist ein Geschehen.
Beobachtung
Beobachtung erschafft nichts.
Sie trennt nicht wirklich.
Sie urteilt nicht.
Beobachtung ist Fokussierung innerhalb des Seins.
Was beobachtet wird,
war immer möglich.
Was nicht beobachtet wird,
verschwindet nicht.
Bedeutung
Bedeutung liegt nicht in den Dingen.
Sie entsteht in Beziehung.
Bedeutung ist keine Eigenschaft der Welt,
sondern eine Resonanz des Seins mit sich selbst.
Synchronizität ist keine Führung.
Sie ist Spiegelung.
Kausalität
Alles ist kausal.
Nichts geschieht grundlos.
Doch Kausalität ist kein Narrativ.
Sie ist kein Sinngeber.
Ursachen existieren,
auch wenn sie nicht erkannt werden.
Bedeutung ersetzt keine Ursache.
Und Ursache ersetzt keine Bedeutung.
Freiheit
Freiheit ist kein Gegensatz zur Kausalität.
Freiheit ist die Erfahrung von Offenheit
innerhalb des Notwendigen.
Nicht alles ist wählbar.
Doch das Erleben ist nicht festgelegt.
Tod
Der Tod ist kein Ende des Seins.
Er ist das Ende einer Perspektive.
Nichts geht verloren.
Es gibt kein „Danach“ im Sein.
Nur eine Veränderung der Form.
Sinn
Das Sein braucht keinen Sinn.
Es ist nicht unterwegs.
Sinn entsteht im Erleben,
nicht im Fundament.
Wer Sinn sucht,
sucht Beziehung,
nicht Erklärung.
Schluss
Dieses Manifest verlangt nichts.
Es verspricht nichts.
Es erklärt nichts endgültig.
Es ist kein Ziel.
Kein Anfang.
Kein Weg.
Es ist eine Erinnerung
an das,
was nie gefehlt hat.
Anhang I – Klärungen
Dieses Manifest ist nicht religiös.
Es begründet keinen Glauben, keine Lehre und keine Autorität.
Dieses Manifest ist nicht spirituell-anleitend.
Es gibt keine Praxis, keine Methode und keinen Weg vor.
Dieses Manifest ist nicht philosophisch-systematisch.
Es erhebt keinen Anspruch auf Logik, Vollständigkeit oder Beweis.
Dieses Manifest ist nicht moralisch.
Es formuliert kein Sollen, kein Müssen und keine Wertung.
Dieses Manifest ist nicht politisch oder gesellschaftlich programmatisch.
Es enthält keine Handlungsaufforderung und kein Reformversprechen.
Dieses Manifest ist kein Versprechen.
Es garantiert keine Erkenntnis, keine Erlösung und kein Ergebnis.
Anhang II – Lesarten
Existenzielle Lesart
Das Manifest kann als Einladung verstanden werden, das eigene Sein jenseits von Rolle, Leistung und Erwartung wahrzunehmen.
Spirituelle Lesart
Das Manifest kann als Erinnerung an Einheit, Zeitlosigkeit und Verbundenheit gelesen werden, ohne eine bestimmte Tradition zu vertreten.
Psychologische Lesart
Das Manifest kann als Impuls zur Entlastung von innerem Druck, Angst und Selbstanspruch verstanden werden.
Nüchterne Lesart
Das Manifest kann als sprachliche Verdichtung einer Haltung gelesen werden: Sein genügt.
Keine dieser Lesarten ist richtiger als eine andere.
Weitere Lesarten sind möglich.
Anhang III – Missverständnisse
„Dieses Manifest fordert Passivität.“
Nein. Es macht keine Aussagen über Handeln oder Nicht-Handeln.
„Dieses Manifest verneint Verantwortung.“
Nein. Es trifft keine Aussagen über Verantwortung.
„Dieses Manifest relativiert Leid oder Unrecht.“
Nein. Es äussert sich nicht zu ethischen oder gesellschaftlichen Fragen.
„Dieses Manifest erhebt einen Wahrheitsanspruch.“
Nein. Es formuliert eine Einladung, keinen Anspruch.
„Dieses Manifest beschreibt die Sicht des Autors.“
Nein. Persönliche Ansichten werden bewusst nicht dargelegt.
Abschluss
Das Manifest bleibt für sich.
Die Anhänge klären nur den Raum, den es öffnet.